Ja, im Netz wird teilweise dramatisiert oder verharmlost. Als Beispiel muss immer das Handy-Ladekabel herhalten, wo mit 0,00X A geladen wird.
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Aber eine "moderne", kurze 2,5 er Leitung, ohne viele belastete Abgänge, mit ordentlicher IP44-Dose, die dann mal tagsüber 2 - 3 Stunden belastet wird, sollte kein Überhitzungs-Problem darstellen.
Ich gebe Dir recht: Das Thema ist schwierig wegen der vielen Einflussfaktoren, aber die angekokelten Schuko-Dosen sind keine Dramatisierung, sondern Realität und zeigen direkt auf den Kern des Problems. Damit sich jeder selbst ein Bild zu diesem Thema machen kann, versuche ich mal, das hier kurz zu beschreiben.
Die Leitung ist - von Uralt-Installationen mal abgesehen - meist nicht das Problem, auch übersteht eine Standard-Schuko-Dose die Belastung mit 16 A für 2-3 Stunden mit hoher Wahrscheinlichkeit unbeschadet. Allerdings beträgt die Prüfdauer laut Norm bei 16 A nur eine Stunde - angesichts dieser Prüfdauer halte ich eine gewisse Skepsis hinsichtlich der Dauerbelastbarkeit für angebracht, denn...
...bei der ganzen Schuko-Lade-Diskussion geht es um einen zentralen Punkt:
Bei Schuko-Dosen ist konstruktionsbedingt (genauer: aufgrund der geometrischen Form der Kontaktfedern) die Berührungsfläche zwischen Stecker-Pin und Dosen-Kontaktfeder relativ klein (bei billigen Dosen findet man ausserdem Kontakte aus zu dünnem Material, die dann schnell ausleiern und durch den Stromfluss schon selbst heiss werden). Durch diese kleine Kontaktfläche muss der Strom hindurch und wenn dann durch Schmutz und/oder nachlassende Federkraft der Übergangswiderstand an dieser Kontaktfläche ansteigt, wird es heiss und da die Wärme nicht weg kann, kann es zu den dokumentierten Schäden kommen. Zum Schutz vor einem solchen Schaden misst z.B. der JuiceBooster bei seinem Schuko-Adapter mit einem Sensor im Stecker dessen Temperatur und fährt den Ladestrom herunter oder unterbricht die Ladung.
Bei CEE-Steckverbindungen (der einphasigen blauen und den dreiphasigen roten) sind die Kontaktfedern so konstruiert, dass der Stecker-Pin großflächig umfasst wird und sich damit der fließende Strom auf eine erheblich größere Kontaktfläche verteilt. Dadurch erreicht man eine wesentlich bessere Kontaktsicherheit und darum sind diese Steckverbindungen mit dem Nennstrom dauerbelastbar (nicht nur 1 Stunde).
Die Kennzeichnung "6h" auf diesen Dosen benennt übrigens nicht etwa eine Prüf- oder Belastungsdauer, sondern ist nur eine Codierung für die Position des Schutzleiterkontakts bezogen auf die Stecker-Nase - diese Codierung ist nur bei Industrieanwendungen relevant.
Ergänzung
Ich hatte noch keine Legrand-Schukodose in der Hand, aber ich könnte mir vorstellen, dass die besondere Kontaktfedern hat (stabiles Material, hoher Federdruck, Form der Feder für grössere Kontaktfläche zum Stecker-Pin optimiert).